| Deutsch: Nach der Schlacht von Adrianopel (378 n.Chr.) rückte der Gegensatz zwischen Heiden und Christen im Imperium Romanum noch einmal in den Vordergrund. Die Bedrohung der Reichsgrenzen durch die Germanen sorgte für wechselseitige Schuldzuweisungen, wer für die Misere des Imperiums verantwortlich sei. Dabei beschränkte sich die Diskussion nicht allein auf den bekannten Streit um den Fortbestand des heidnischen Kultes. Ein ganz wesentlicher Punkt des zeitgenössischen Diskurses war die Deutung der eigenen, römischen Vergangenheit, die sich mit dem Konzept der sogenannten Romidee nur unzureichend erfassen läßt. In der vorliegenden Studie geht es um die zentrale Rolle der römischen Republik für das „kulturelle Gedächtnis“ der Spätantike. Untersucht wird der Umgang mit den exempla maiorum, auf die man zuhauf in den Reden der spätantiken Panegyriker, aber auch bei einem Geschichtsschreiber wie Ammian und bei christlichen Autoren wie Augustin und Hieronymus, sogar im Kontext theologischer Kontroversen, stößt. Eine Untersuchung des spätrömischen Gebrauchs von Exempla ist besonders auf-schlußreich für das Geschichtsbild im Westreich dieser Zeit, bildeten diese doch den einzigen nennenswerten Zugang zur Vergangenheit. Dabei zeigt sich: Im kulturellen Gedächtnis der Römer des lateinischen Westens waren Frühzeit und Republik eine Zeit des Werdens mit geradezu „mythischen“ Qualitäten, die überraschenderweise aber selten verklärt wurde. Untersucht werden die Exempla von L. Iunius Brutus (zusammen mit dem Caesarmörder M. Brutus), Camillus, Regulus, den beiden Scipiones Africani, Marius und Sulla sowie Caesar (zusammen mit dem jüngeren Caesar, Augustus). In Zusammenhang mit dem Caesar-Exemplum wird auch die Frage aufgeworfen, ab wann die Spätantike den Beginn der Kaiserzeit angesetzt und was überhaupt in ihren Augen das Wesen der Römischen Republik ausgemacht hat. Auf Wunsch des Autors ist die Datei (1,7 MB) bis auf weiteres kostenfrei verfügbar. English: After the battle of Adrianople (378 A.D.) and with the German threat to the borders of the empire, the antagonism between pagans and Christians in the Roman Empire surfaced once again. Each group blamed the other for the miserable state of the Eempire. The contention was not limited to the often debated issue of the continuation of the pagan cult, however. Interpreting their own Roman past was a central component of the contemporary discourse, and one that can only partly be comprehended in terms of the so-called Romidee. The present study is concerned with the central role the Roman Republic played in the cultural memory of late antiquity. The object of study, the exempla maiorum, are plentiful in the speeches of the late antique panegyrics but can also be found in the writings of a historian like Ammianus, and of Christian authors such as Augustine and Jerome, even in the context of theological controversies. It is especially informative for grasping the concept of history in the western part of the Empire in this period to examine the later Roman treatment of exempla, as they constituted the only real connection to the past. The conclusion drawn by the author is that the western Romans in late antiquity held early Rome and the Republic to be an almost “mythical” time of maturation, but surprisingly without glorifying it. This study examines exempla from L. Iunius Brutus (together with M. Brutus, Caesar’s murderer), Camillus, Regulus, both Scipiones Africani, Marius and Sulla as well as Caesar (along with the younger Caesar, Augustus). In connection with Caesar’s exemplum, the question is raised what date was considered in late antiquity to be the beginning of the Imperial era, and what was seen as being the defining characteristics of the Roman Republic. Rezension:
Eine Rezension ist in der Zeitschrift Zeitschrift für antikes Christentum (Vol. 8., 2005, S. 378 ff.) erschienen. Die Rezension können sie hier als PDF-Datei abrufen: Rezension |